Anton Bruckner Chronologie Datenbank

Anton Bruckner Institut Linz (ABIL)
© Scheder, Franz: Anton Bruckner Chronologie Datenbank.- ABIL 24.05.2011
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Sortiercode: 186909135
Datum:  13.9.1869, Montag
Text:  Brief Bruckners an Herbeck:
Dankt für das durch Herbecks Fürsprache beim Obersthofmeisteramt erhaltene Geld [Feriengeld, vgl. 13.7.1869]. In Linz wohne er im Priesterseminar und plage sich mit den Proben zur e-Moll-Messe. Lädt Herbeck im Auftrage Bischof Rudigiers zur Aufführung der e-moll-Messe am 29.9.1869 und zur bischöflichen Tafel ein, berichtet von der Fertigstellung der d-moll-Symphonie (»Nullte«) (*).

Vorbesprechung der e-moll-Messe im Linzer Volksblatt Nr. 209 (**), vermutlich durch Josef Seiberl (***):
»Bruckners Festmesse (e-Moll)
[Signatur:] -s. Die zur Feier der Einweihung der Votivkapelle des neuen Domes in Linz eigens hiezu componirte Festmesse von k. k. Hoforganisten und Professor Anton Bruckner ist in jeder Beziehung ein contrapunctisches Meisterwerk, eine durchwegs originelle Composition.
   Überall begegnet man der würdigsten Auffassung der erhabenen Textworte, überall dem edelsten musikalischen Ausdruck. Auf tausendfach verschlungenen Wegen brausen die gewaltigen Tonwellen daher und bilden in der wundervollsten Harmonie einen mächtigen Strom, der das Herz mit Gewalt packt und fortreißt zu demutsvollster Andacht, zu frommer Begeisterung, zu freudigem Jubel wie zu der tiefsten Rührung.
   Im streng palestrinisch gehaltenen Kyrie herrscht die reichste Polyphonie. Bruckners so überaus kunstvoller 8stimmiger Satz, in welchem im manchen Theile der Messe 2 oft 3 selbstständige Themen nebeneinander hergeführt werden, reißt geradezu zur Bewunderung hin, großartig und effektvoll ist das Gloria, in welchem gegen das Ende zu eine prachtvolle Fuge ertönt. Das pompöse Credo, das mit der höchsten Wahrheit des Ausdruckes so tief empfundene "Et incarnatus est" .... sowie das bis aufs Höchste gesteigerte "Et unam" machen den gewaltigsten und erhebendsten Eindruck. Außerordentlich schön klingt das so künstlerische in reicher Polyphonie sich aufbauende Sanctus. - Dann das Benediktus! Wir glauben, daß das Benediktus der harmoniereichste, zugleich aber auch der schwerste Teil der Messe ist.
   Bei den überraschenden Harmonie-Wendungen und kühnen Einsätzen der Vokal-Stimmen läuft es einem wie heiliger Schauer durch die Seele, und Bewunderung für den genialen Tonsetzer ergreift uns. Herrlicher, tiefer empfunden kann der Text "Agnus Dei" und "miserere nobis" kaum mehr aufgefaßt werden, als es hier der Fall ist. Den Vokalstimmen schließt sich auch eine äußerst gewählte, durchwegs meisterhaft gehaltene Begleitung der Instrumente an.
   Wir gratulieren dem Herrn Professor Bruckner aus vollster Seele zu dieser großartigen Schöpfung und zweifeln nicht, daß ihm auch die höchste Anerkennung dafür zutheil werde.« (**).

Literatur:  (*) Inhaltsangabe und Textzitat bei 278/13, kompletter Text bei 936/111
(**) Text bei 148/68,Anm.1 auszugsweise, 68/78 (mit nicht gekennzeichneten Auslassungen) und
(***) komplett bei 34/549-551 (mit geringen Abweichungen bei 148/68, korrigiert nach 68/78).
Archiv:  (*) ÖNB-H (278/13,Anm.10), Hs.-Slg. Autogr. 126/58-21 (936/112, 1066/458(Bruckner))
Anmerkung:  (*) Dem Brief liegt als Beilage ein maschinengeschriebenes Schreiben (Kommentar und Brieftext) des Wiener Antiquariats Heinrich Hinterberger, 25-2-64 [= 25.2.1964?] bei (800/..).

(***) Laut späterer Überlieferung durch Oddo Loidol stammt der Text von Josef Seiberl (34/549, dort als unveröffentlichte Besprechung der Aufführung mitgeteilt)