Brucknersymposion 2014

Die Jahre um 1870 – Bruckner & Europa

2. bis 4. Oktober 2014, Stift St. Florian, Altomontesaal

In die Zeit der letzten Linzer und ersten Wiener Jahre fällt bei Anton Bruckner die Entstehung wichtiger Werke – etwa die f-Moll-Messe (WAB 28) und die Dritte Symphonie (WAB 103) –, in denen sich sein kompositorischer Weg endgültig etabliert hat. Mit ihnen beschritt er neue Bahnen, stieß aber auch auf Unverständnis und Widerstand. Symptomatisch ist die Haltung Eduard Hanslicks, der vom Orgelspiel und den früheren Werken Bruckners „begeistert“ war, sich aber dann von ihm abkehrte und zum entschiedenen Gegner seines Schaffens wurde. Es erscheint von Interesse, ob im gleichen Zeitraum Kompositionen von ähnlicher Bedeutung auch anderswo entstanden. Franz Grasberger hat eine erste Antwort schon 1968 mit dem Hinweis gegeben, dass im Jahr 1868 binnen zwei Monaten drei bedeutende Werke des europäischen Musikschaffens uraufgeführt wurden: am 10. April Ein deutsches Requiem von Brahms unter dessen Leitung in Bremen, am 9. Mai Bruckners Erste Symphonie im Linzer Redoutensaal und am 21. Juni Wagners Meistersinger von Nürnberg unter Hans von Bülow in München. Das soll als Anreiz genügen, die Zeit um 1870 in der europäischen Musik, natürlich Bezug nehmend auf Bruckner, einer näheren Betrachtung zu unterziehen.

PROGRAMM

Donnerstag, 2. Oktober

16.00    Johannes Holzinger, St. Florian, Andreas Lindner, Wien/Linz: Begrüßung & Eröffnung

16.30    Manfred Wagner, Wien: Zum kulturellen Leben in Wien um 1870

17.00    Hubert Reitterer, Wien: Die politischen Zustände in der Haupt- und Residenzstadt Wien um 1870


Freitag, 3. Oktober

9.00    Franz Scheder, Nürnberg: Bruckner privat: Der Komponist in den Jahren um 1870

9.30    Franz Metz, München/Temesvar: Musik in Südosteuropa um 1870

Pause

10.30    Vlasta Reittererova, Wien/Prag: „National- oder Weltmusik?“. Die tschechische Musik um 1870

11.00    Gertrude Quast-Benesch, München: Wagner und andere. Musikalische Kultur in München um 1870

Mittagspause

14.00    Barbara Boisits, Wien: Zum Wandel der Musikästhetik um 1870

14.30    Johannes Leopold Mayer, Baden: „Wem ist das Unreine unrein?“ – katholische Kirchenmusik zwischen Ekstase und Askese

Pause

15.30    Elisabeth Fritz-Hilscher, Wien: Die Wiener Hofmusikkapelle im Kontext der anderen europäischen Hofmusikkapellen zur Zeit Bruckners

16.00    Andreas Lindner, Linz/Wien: Die stilistische Zeitenwende im Spiegel des Orchesterrepertoires

16.30    Wolfgang Sandberger, Lübec: „Neue Bahnen“? Ein deutsches Requiem von Johannes Brahms im Kontext der späten 1860er-Jahre


Samstag, 4. Oktober

9.00    Ernst Schlader, Linz: Einflüsse des Blasinstrumentenbaus auf Bruckner und Brahms

9.30    Martin Czernin, Eisenstadt: Liszt und Bruckner um 1870

Pause

10.30    Akio Mayeda, Wien/Tokyo: Zu Bruckners „Um Mitternacht“ WAB 80 (1869/1870) – eine poetisch-musikalische Stilanalyse.

11.00    Matthias Giesen, St. Florian/Wie: Musiktheoretische Konzepte um 1870 in Österreich

11.30    Schlussdiskussion



NEUERSCHEINUNGEN

Streifzüge 3. Beiträge zur Oberösterreichischen Musikgeschichte. Hg. vom OÖ. Volksliedwerk und dem Anton Bruckner Institut (Oberösterreichische Schriften zur Volksmusik 14). Linz 2013, 312 Seiten. 

Ergebnisse und Desiderata. Anton Bruckner und Oberösterreich in der Musikforschung. Bruckner-Symposion 2010. Bericht. Hg. Theophil Antonicek, Andreas Lindner und Klaus Petermayr. Linz 2013, 306 Seiten.